Qualitätsstandards

Qualitätsstandards der DGTBI

Die Deutsche Gesellschaft für Therapeutisches Boxen, Forschung und Intervention (DGTBI) verfolgt das Ziel, eine fachlich fundierte, wissenschaftlich orientierte und verantwortungsvolle Anwendung des Therapeutischen Boxens sicherzustellen. Hierzu definiert die DGTBI verbindliche Qualitätsstandards für zertifizierte Fort- und Weiterbildungen.

Die Qualitätsstandards dienen der Sicherung einer einheitlichen fachlichen Orientierung und bilden die Grundlage für die Prüfung und Zertifizierung von Bildungsangeboten durch die DGTBI.

1. Fachliche Qualifikation der Lehrenden

Lehrende müssen über eine für die vermittelten Inhalte geeignete fachliche Qualifikation sowie einschlägige praktische Erfahrung verfügen. Je nach Themenbereich können insbesondere Qualifikationen aus Psychologie, Psychotherapie, Medizin, Rehabilitation oder angrenzenden Fachgebieten erforderlich sein.

Darüber hinaus sollen Lehrende über fundierte Kenntnisse im Bereich des Therapeutischen Boxens verfügen.

2. Wissenschaftliche Fundierung

Die vermittelten Inhalte sollen sich am aktuellen Stand fachlicher und wissenschaftlicher Erkenntnisse orientieren. Wissenschaftliche Aussagen, theoretische Modelle und angenommene Wirkmechanismen sind nachvollziehbar und differenziert darzustellen.

Therapeutische Wirkungen dürfen nicht als gesichert dargestellt werden, sofern hierfür keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz vorliegt.

3. Strukturiertes Curriculum

Jede zertifizierte Fortbildung muss auf einem nachvollziehbaren Curriculum basieren. Dieses soll insbesondere folgende Aspekte enthalten:

  • Zielsetzung und Qualifikationsniveau,
  • definierte Lernziele,
  • Umfang und zeitliche Struktur,
  • theoretische und praktische Inhalte,
  • methodisch-didaktisches Konzept,
  • Praxis- und Reflexionsanteile,
  • Sicherheits- und Schutzkonzept,
  • Abschluss- beziehungsweise Leistungsanforderungen.

4. Zulassungsvoraussetzungen

Für jede Fortbildung sind geeignete Zulassungsvoraussetzungen festzulegen. Diese richten sich nach Zielsetzung, Niveau und Verantwortungsbereich der jeweiligen Qualifikation.

Die DGTBI kann Mindestanforderungen an berufliche Qualifikation, Ausbildung, Studium, Berufserfahrung oder einschlägige Vorkenntnisse definieren.

In fachlich begründeten Fällen kann der Vorstand der DGTBI im Rahmen einer dokumentierten Einzelfallentscheidung abweichende Qualifikationen als gleichwertig anerkennen oder eine Zulassung mit Auflagen ermöglichen.

5. Theorie-Praxis-Verzahnung

DGTBI-zertifizierte Fortbildungen müssen Theorie, praktische Anwendung und fachliche Reflexion angemessen miteinander verbinden.

Praktische Übungen sollen nicht ausschließlich technische Boxfertigkeiten vermitteln, sondern insbesondere die professionelle Gestaltung therapeutischer, psychosozialer oder pädagogischer Prozesse berücksichtigen.

6. Sicherheit und Schutz

Die körperliche und psychische Sicherheit der Teilnehmenden sowie späterer Klientinnen und Klienten hat besondere Bedeutung.

Fortbildungen müssen deshalb geeignete Standards zu folgenden Bereichen vermitteln:

  • körperliche Sicherheit und Verletzungsprävention,
  • angemessener Einsatz von Schutzmaterial,
  • Belastungssteuerung,
  • Grenzen körperlicher Interventionen,
  • Nähe und Distanz,
  • Krisen- und Eskalationsmanagement,
  • Schutz vor Überforderung und Retraumatisierung,
  • Wahrung persönlicher Grenzen und Einwilligung.

7. Professionelles Rollenverständnis

Teilnehmende müssen befähigt werden, die eigene berufliche Rolle und deren Grenzen fachlich korrekt einzuschätzen.

Die Fortbildung muss insbesondere verdeutlichen, dass eine Weiterbildung im Therapeutischen Boxen keine eigenständige heilkundliche oder psychotherapeutische Berufszulassung begründet.

Die Anwendung der Methode erfolgt ausschließlich im Rahmen der jeweiligen beruflichen Qualifikation und der geltenden gesetzlichen Bestimmungen.

8. Ethik und Haltung

Zertifizierte Fortbildungen müssen ethische Grundsätze professionellen Handelns vermitteln. Hierzu gehören insbesondere:

  • Achtung der Menschenwürde,
  • Schutz persönlicher Grenzen,
  • diskriminierungssensible Haltung,
  • Freiwilligkeit und informierte Zustimmung,
  • professionelle Beziehungsgestaltung,
  • verantwortungsvoller Umgang mit Macht und Abhängigkeit,
  • Datenschutz und Vertraulichkeit,
  • kritische Selbstreflexion.

9. Reflexion und Selbsterfahrung

Therapeutisches Boxen beinhaltet körperliche, emotionale und interaktionelle Prozesse. Deshalb sollen angemessene Anteile an Reflexion, Selbsterfahrung und professioneller Selbstwahrnehmung Bestandteil der Qualifizierung sein.

Ziel ist die Fähigkeit, eigene Reaktionen, Grenzen, Rollen und mögliche Übertragungsprozesse wahrzunehmen und fachlich zu reflektieren.

10. Feststellung des Lernerfolgs

Die erfolgreiche Teilnahme soll durch geeignete Verfahren überprüft werden.

Je nach Fortbildungsumfang können hierzu insbesondere gehören:

  • praktische Demonstrationen,
  • Fallarbeiten,
  • schriftliche Reflexionen,
  • Fachgespräche,
  • Praxisnachweise,
  • schriftliche oder mündliche Prüfungen,
  • dokumentierte Abschlussarbeiten.

11. Kontinuierliche Fortbildung

DGTBI-zertifizierte Fachpersonen verpflichten sich zu einer kontinuierlichen fachlichen Weiterentwicklung.

Die regelmäßige Fortbildung dient dazu, Kenntnisse aktuell zu halten, wissenschaftliche Entwicklungen zu berücksichtigen und die eigene berufliche Praxis kritisch zu reflektieren.

Umfang, Inhalte und Nachweisformen der Fortbildungsverpflichtung können durch die DGTBI gesondert geregelt werden.

12. Qualitätssicherung und Dokumentation

Zertifizierte Anbieter müssen eine nachvollziehbare Dokumentation ihrer Fortbildungsmaßnahmen gewährleisten.

Hierzu können insbesondere gehören:

  • Teilnehmendenlisten,
  • Anwesenheitsnachweise,
  • Curricula und Lehrpläne,
  • Qualifikationsnachweise der Lehrenden,
  • Prüfungs- und Leistungsnachweise,
  • Evaluationen der Fortbildungsveranstaltungen.

Wesentliche Änderungen eines zertifizierten Curriculums sind der DGTBI anzuzeigen.

13. Weiterentwicklung der Qualitätsstandards

Die DGTBI überprüft und entwickelt ihre Qualitätsstandards kontinuierlich auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, fachlicher Entwicklungen und praktischer Erfahrungen weiter.

Ziel ist es, Therapeutisches Boxen langfristig als wissenschaftlich reflektierte, qualitätsgesicherte und professionell verantwortete Intervention weiterzuentwickeln.

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